Wie wird man eigentlich ...

Feuerwerker?

Das bunte Funkeln der Lichter im Dunkeln, die lauten Knalle, die die Nacht erschüttern, und der Geruch von Feuer – schon als Kind faszinierte den Krefelder Sebastian Späth Feuerwerk ganz besonders. Egal, ob an Silvester oder im Rahmen der Sprödentalkirmes, erstrahlte Pyrotechnik am Himmel, starrte Späth mit leuchtenden Augen in die Luft. Auch im erwachsenen Alter setzte sich diese Leidenschaft fort: Fast gierig entdeckte Späth nun das Bühnenfeuerwerk für sich, achtete bei Shows in Freizeitparks oder auch im Fernsehen ausschließlich auf die Special Effects, die die Aktionen der Protagonisten untermalten, und war begeistert von den Möglichkeiten, die sich jedes Jahr aufs Neue zu vergrößern schienen.

2007 änderte dann ein für ihn ganz besonderer Tag seinen Weg. Denn Freunde schenkten ihm einen Feuerwerkskurs in einem Freizeitpark in Bottrop. Feuerwerkskurse sind selten, viele Teilnehmer reisen dafür aus anderen Bundesländern an. Späth aber hatte nur eine kurze Anfahrt und das war sein Glück: Der Kursleiter, ein Feuerwerker aus Essen, sprach ihn an, ob er nicht Lust habe, sich von ihm ausbilden zu lassen. Eine Ausbildung, die nicht vielen Menschen in Deutschland ermöglicht wird, und Grund genug, Sebastian Späth für unsere monatliche Reihe zu interviewen: „Wie wird man eigentlich … Feuerwerker?“

In Deutschland findet eine grundsätzliche Unterscheidung zwischen unterschiedlichen Feuerwerkstypen statt, dazu gehören zum Beispiel das Bühnenfeuerwerk und das Großfeuerwerk. Innerhalb der einzelnen Kategorien können dann noch einmal verschiedene Qualifikationen und Zulassungen erworben werden, die an das Sprengstoffgesetz geknüpft sind. Die Ausbildung nach Paragraph 20, die Späth absolviert, befugt ihn, selbstständig Feuerwerk im Auftrag seines Chefs abzuwickeln. Sein Chef, der als Firma haftet und durch Externe beauftragt werden kann, hat dagegen den Befähigungsschein nach Paragraph 7 und kann dadurch gewerbliches Feuerwerk anbieten. „Diese Unterscheidungen sind wichtig, denn wer Pyrotechnik nicht richtig bedient, gefährdet sich und andere“, erklärt Späth. „Das Feuerwerk, das wir machen, hat nichts mit den herkömmlichen Raketen und Batterien gemeinsam, die ihr von Silvester kennt.“

Um überhaupt eine Ausbildung zum Feuerwerker, egal in welchem Bereich, beginnen zu dürfen, wird eine persönliche Prüfung notwendig. Die Bewerber, mindestens 21 Jahre alt, müssen eine Unbedenklichkeitsbescheinigung erbringen. Dafür werden nicht nur die Person selbst, sondern auch das Umfeld unter die Lupe genommen. „Nach meiner Ausbildung habe ich das gesamte Wissen, um eine Bombe zu bauen“, erklärt Späth. „Man möchte mit der Vorabprüfung ausschließen, dass dieses Wissen in falsche Hände gerät.“

Anschließend muss Späth 26 Feuerwerke bei seinem Ausbilder begleiten. Dieser Prozess dauert nebenberuflich in der Regel rund drei Jahre. Mit dem Abschluss seiner Ausbildung besucht der Anwärter einen einwöchigen Kurs, der mit einer theoretischen und praktischen Abschlussprüfung bei einem Prüfer der Bezirksregierung Düsseldorf endet.

Hat Späth den Schein in der Tasche, ist er offiziell Feuerwerker und übernimmt noch mehr Verantwortung, aber auch als Auszubildender unterstützt er seinen Chef schon jetzt bei etlichen Aufgaben. Wird ein Feuerwerk gebucht, zum Beispiel für ein großes Firmenevent oder für eine private Hochzeit, programmiert er es am Computer. „Wir arbeiten zum Beispiel immer wieder mit Live-Musikern zusammen. Hier gilt es, das Feuerwerk genau auf die Musik anzupassen“, beschreibt der Feuerwerker in Ausbildung. Dafür muss Späth genaustens die Zündzeiten des jeweiligen Feuerwerks im Blick haben. Hat das „Riesenherz“ zum Beispiel eine Zündzeit von drei Sekunden, liegen andere Effekte bei zwei oder fünf. „Am Ende ist das Timing entscheidend, damit das Feuerwerk richtig wirkt“, erklärt der Experte weiter. Die großen Feuerwerke werden dabei in der Regel über elektrische Zünder aktiviert. Schon viele Stunden vor den Events sind Späth und sein Team deswegen vor Ort und verbinden die Kontakte untereinander und anschließend mit der elektronischen Box. Nicht immer sind diese Vorgänge ungefährlich, denn Späth kommt dabei mit Schwarzpulver in Berührung, das bei der kleinsten Erschütterung auslösen kann. „Und genau deswegen ist eine Ausbildung so wichtig“, sagt er. Auch nach dem Feuerwerk, wenn die Gäste sich wieder in die Veranstaltung stürzen, ist Späths Arbeitszeit noch lange nicht vorbei. Vorsichtig prüfen die Kollegen, ob alle Effekte ausgelöst wurden oder ein Feuerwerk noch zündbar ist und entschärft werden muss. Anschließend wird sorgfältig aufgeräumt und das Equipment sicher verstaut nach Essen zurückgebracht. Oft ist der Feuerwerker erst spät in der Nacht oder früh am nächsten Morgen zurück in Krefeld.

Für sein „professionelles Hobby“, wie Späth liebevoll die Ausbildungszeit als Feuer- werker nennt, lohnt sich dieser Aufwand aber. „Ich kann gar nicht genau beschreiben, was mich jetzt im Detail an Pyrotechnik fasziniert, aber ich finde es einfach großartig“, schwärmt der hauptberufliche Lagerleiter eines Krefelder Großhändlers. Manche Aufträge haben dabei bleibende Erinnerungen hinterlassen. Einmal durfte er zum Beispiel auf einer privaten Feier von Stefan Raab zünden, ein anderes Mal war er einer von rund 15 Feuerwerkern, die mit Seilen gesichert auf dem Kölner Domhotel mit Blick auf den Dom eine Feuerwerksshow aktivierten. „Das sind Erlebnisse, die du nie wieder vergisst“, erklärt er. „An die du aber auch ohne den Job nie herangekommen wärst.“

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