Wie wird man eigentlich …

(Synchron)-Sprecher?

„Wenn ich sage, dass ich Sprecher bin, dann denken die Leute meistens, dass ich als Sprachrohr für ein Unternehmen arbeite. Also setze ich gern das ,Synchron‘ davor, obwohl die Synchronarbeit nur einen Teil meiner Tätigkeit darstellt“, erklärt der Krefelder mit den markanten Gesichtszügen quirlig unter Einsatz von Händen und Füßen. „Eigentlich würde ich viel lieber sagen: ,Hallo, ich bin Christoph Walter und ich spreche professionell in Mikrofone.‘“ 

Walters Stimme kennen viele Menschen – ohne zu wissen, wem sie gehört. Sie verbinden mit ihr die weichen Betten und kuscheligen Kissen eines skandinavischen Bettengeschäfts. Sie schreiben ihr Kompetenz und Sicherheit im Umgang mit Küchenmaschinen eines großen deutschen Herstellers zu. Sie erklärt ihnen, warum sie das erfolgreichste internationale Online-Versandhaus nutzen sollten. Und überzeugt sie kompetent davon, dass sie die neue Fitnessuhr eines US-amerikanischen Sportartikelherstellers ganz weit nach vorn bringen wird – auch wenn Walter selbst ein sympathisches Bäuchlein hat. Hinter Krefelds Fenstern verstecken sich allerhand Persönlichkeiten: Christoph Walter gehört mit seiner unverkennbaren Stimme auf jeden Fall dazu, denn der 44-Jährige ist erfolgreicher Sprecher und Produzent in Deutschland. 

„An das Sprechen bin ich über die Musik gekommen“, erzählt der dreifache Familienvater. „Damals war ich Frontmann einer Hard-Rock-Band und wir hatten im Proberaum auch ein Studio eingerichtet.“ Walter hat das Glück, dass einer seiner Bandkollegen für einen großen Soundkartenhersteller arbeitet, das Studio ist deswegen immer mit der besten Technik ausgestattet. Der junge Mann probiert sich nicht nur an den Reglern aus: Er macht erste Aufsager für Telefonschleifen, nimmt seiner damaligen Freundin zum Geburtstag ein Janosch-Hörbuch auf und hilft einem Freund bei einem Audio-guide. Um die Jahrtausendwende lässt er sich als „Mann für alle Fälle“ in der Filmproduktion eines Freundes einstellen. „Ich hatte hier immer wieder das Gefühl, dass das, was die Jungs und Mädels vor dem Mikrofon für viel Geld leisten, auch etwas für mich wäre“, beschreibt er. „Nach fünf Jahren wurde ich nett in die Selbständigkeit komplimentiert und ahnte gleichzeitig, dass ich als Selbstständiger mehr verdienen kann. So rutschte ich in die Freiberuflichkeit.“ 

Walter investiert Geld in Sprecherziehung, intensiviert sein Netzwerk, kümmert sich durch Blogs und Social Media um Eigenwerbung und ergattert immer weiter Jobs. „Nach drei Jahren lief´s ganz gut, nach fünf Jahren richtig und nach sieben hab ich´s dann auch geglaubt“, erinnert er sich. Dabei ist Walter ein Tausendsassa: Er spricht Werbung, Hörbücher, E-Learnings, Imagefilme, Audioguides, produziert und begleitet  Aufnahmen für Kunden. „Eigentlich mache ich alles rund um Ton“, erklärt er. Dabei trifft Walter fast täglich auf neue Sprecher, die alle einen anderen Weg gegangen sind. „Du kannst mit einer Schauspielausbildung zum Sprecher werden, du kannst Sprechwissenschaften an ganz wenigen Unis studieren, du kannst wie ich durch Sprecherziehung und Netzwerk in das Feld rutschen“, erklärt er. „Es gibt nicht den einen Weg, um Sprecher zu werden, aber eine Eigenschaft ist unverzichtbar: Biss.“

Artikel teilen: