Chapeau Bas: Von der Fackeljonglage ans Lehrerpult

Beim Spiel mit dem Feuer, auf Stelzen in der Höhe oder in Aktion mit Jonglierkeulen – hier sind Birgit und Gerhard Leßmann zu Hause, hier fühlen sie sich wohl. Das Element der Krefelder ist unangefochten die Bühne und als „Chapeau Bas“, einem Team aus unterschiedlichen freiberuflichen Artisten und Entertainern, sind sie erfolgreich seit 25 Jahren unterwegs. Aber seit März ist alles anders, denn der Lockdown und die anschließenden Veranstaltungsverbote im Rahmen von Covid19 fordern vor allem in der Entertainmentbranche einen hohen Tribut. „Ohnmacht ist ein Wort, das uns seitdem begleitet“, sagt Birgit Leßmann betroffen. „Aber aufzugeben war für uns keine Option. Wir haben drei Kinder, die versorgt werden müssen. Wir haben Ersparnisse, die für die Altersvorsorge und nicht für Covid gedacht sind. Von der Struktur her sind wir energisch und kreativ – wir wollen machen.“ Und mit dieser berufsbedingten Kreativität und einem unbändigen Biss hat es das Ehepaar geschafft, beeindruckende Alternativen zu schaffen.

Von vorne: Seit vielen Jahren läuft es bei Chapeau Bas wirklich gut. Unter dem Slogan „Es ist magisch“ ist die Truppe rund um das Ehepaar Leßmann bundesweit unterwegs und bedient vor allem große Kunden. Ob mit ihrer LED-Show auf Messen, als Stelzenmenschen auf Stadtfesten, mit ihrer preisgekrönten Akrobatik-Comedy-Nummer auf großen Firmenevents oder mit dem eigenen Weihnachtsvarieté sind sie ausgebucht – über die Jahre haben sie sich als Entertainer deutschlandweit einen Namen gemacht. „Aber man denkt ja auch ans Alter“, sagt der 54-Jährige schmunzelnd. „Da will man das Erlernte an jüngere Menschen weitergeben.“ Deswegen waren sich Birgit und Gerhard schnell einig, als sich die Möglichkeit ergab, ihre Räumlichkeiten zu erweitern. Seit letztem Jahr sind sie Eigentümer des „Atrium39“ im Hinterhof der Moerser Straße 39. Im außergewöhnlichen Ateliergebäude haben sie einen Ort geschaffen, der alle Kreativnerven in Spannung versetzt. „Seit langem haben wir hier Räumlichkeiten angemietet, um unsere Kostüme und Requisiten zu lagern“, beschreibt Birgit Leßmann. „Der andere Teil des Atriums wurde durch eine Handwerkerfirma genutzt. Nach dem Kauf des Gebäudes haben wir alles komplett kernsaniert.“

Entstanden ist ein beeindruckendes Ensemble: Als studierte Designerin und wirkende Künstlerin hat sich Birgit Leßmann ein wunderschönes Atelier eingerichtet, das durch den enormen Einfall von Tageslicht eine besondere Qualität erlangt. In einem weiteren Teil des Gebäudes ist ein warmer, heller Kreativraum geschaffen worden, der vielseitig nutzbar ist. Ob Yoga, Meditation, Fotostudio, Tagungen, Seminare oder Bühnensituation: Hier ist alles vorstellbar. An den Kreativraum angrenzend befindet sich ein stimmungsvolles, minimalistisches Wohnzimmer mit Kaffeeküche, das sich wunderbar für Coachings und Gesprächssituationen eignet. Und dann, an jedes Zimmer angeschlossen, verspricht der Innenhof, dem das Atrium seinen Namen verdankt, traumhafte Sommerabende oder lauschige Herbstnachmittage. „Wir haben uns vorgestellt, dass wir hier in Form von Workshops und Angeboten unsere eigene Leidenschaft weitergeben können und gleichzeitig anderen Kreativen ohne Räumlichkeiten die Möglichkeit bieten, einen Ort für ihr Schaffen zu finden“, erklärt die Künstlerin. „Im März hatten wir nach den Sanierungen unseren ersten Workshop.“ Dann kam Corona. „Jetzt langsam beginne ich wieder mit Kleingruppen, im Atelier zu malen“, führt die Kunsttherapeutin und Entspannungspädagogin fort. „Und auch ein Yogakurs findet hier statt. Aber wir haben natürlich noch deutliche Kapazitäten. Corona hat uns einen dicken Dämpfer verpasst.“

Dabei müssen die Kredite getilgt, die Betriebsausgaben gedeckt und die Familie versorgt werden. Als mit dem Lockdown im März die ersten Auftritte ausfielen, war das Ehepaar noch optimistisch, dass im Herbst und Winter, den stärksten Jahreszeiten für die Entertainmentbranche, die ausgefallenen Beträge wieder eingespielt werden können. Heute, ein halbes Jahr später, ist der Optimismus gewichen. „Jetzt haben wir das Gefühl, dass die Kreativbranche etwas unter den Teppich gekehrt wird. Niemand spricht mehr von einem Datum. Und die staatlichen Hilfen sind nicht angemessen, es gibt kein Geld für den Lebensunterhalt“, schildert Gerhard Leßmann. Ihn begleitet auch die Sorge, dass Corona die Wirtschaftlichkeit im Land generell verändern wird. Wieviel Geld wird da sein für Firmenfeiern und Messen? 

Um ein sicheres Standbein zu haben, haben sich Birgit und Gerhard deswegen entschlossen, einen neuen Weg einzuschlagen. Ob nur temporär oder dauerhaft, sei bisher noch unklar. „Wir werden Lehrer“, sagt Birgit Leßmann und schmunzelt. „Und wenn wir es richtig angehen, ist das gar nicht so weit von dem entfernt, was wir auf der Bühne machen.“ Es gehe, so schildert das Ehepaar, schließlich darum, Menschen zu begeistern − darin seien sie Experten. „Ich glaube, dass wir damit punkten können, dass wir Bildung anders anpacken“, beschreibt Gerhard Leßmann. „Vielleicht kann ich es mit meiner speziellen Art schaffen, Inhalte zu transportieren.“ Denn das fachliche Wissen dazu hat er. Vor langer Zeit, während der Entstehung von Chapeau Bas, legte er sein Diplom als Ingenieur ab. „Ich habe nie im Bereich der Elektrotechnik gearbeitet, weil die Artistik zu meiner Leidenschaft geworden war, aber in der gesamten Jugend meiner Kinder habe ich ihnen und ihren Freunden oft mathematische und physikalische Inhalte erklärt“, schildert Leßmann. Die Zusage als Lehrer für die Fächer Mathe und Physik an einem Gymnasium hat er schon. Auch Birgit Leßmann weiß bereits, wo sie in den nächsten Monaten wirken wird. Mit ihrem künstlerisch-therapeutischen Ansatz wird sie in einer Krefelder Förderschule tätig. „Ich freue mich sehr darauf“, beschreibt die dreifache Mutter. „Krisen zeigen uns eben auch, dass wir in uns selbst neue Chancen finden können.“

Informationen rund um die Veranstaltungen im Atrium39 und die unterschiedlichen Möglichkeiten, Räumlichkeiten im Atrium39 anzumieten, finden Sie im Internet auf www.atrium39.de oder telefonisch unter 15 69 762. Besuchen Sie außerdem die Webseite von Birgit Leßmann als Künstlerin www.birgitlessmann.de oder lernen Sie Chapeau Bas noch besser kennen: www.chapeau-bas.de.